Was ist ein Error Fare, und wie entsteht er?

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Was ist ein Errorfare

Das Finden und Buchen eines sogenannten Error Fare – manchmal auch Mistake Fares, oder Fat Finger Fares genannt – gilt für viele als die Königsdisziplin des günstigen Reisens. In den letzten Jahren gab es diverse Beispiele für solche Preisfehler bei Fluggesellschaften, Reisebüros, und Hotels. So ging es schon für unter hundert Euro in der First Class von Europa nach Hawaii, oder günstiger nach Australien als auf die Kanaren. Auch eine Nacht in einem 5-Sterne Hotel mit Frühstück für wenige Cent, oder eine Pauschalreise für wenige Euro waren bereits dabei.

Wie kommt es zu einem Error Fare?

Bei Error Fares (wörtlich übersetzt könnte man von einem „Fehlertarif“ sprechen) handelt es sich um Preisfehler irgendwo in der oftmals recht komplexen Buchungskette. So kann es sein, dass zum Beispiel die Airline einfach ein Komma oder eine Null vergisst. Auch ein fehlerhafter Umrechnungskurs führt möglicherweise dazu, dass die Fluggesellschaft ihre Flugtickets weit unter Wert verkauft. Die weiter oben genannten First Class Flüge von Europa nach Hawaii waren beispielsweise das Produkt eines solchen Umrechnungsfehlers. Dabei waren auf der dänischen Webseite von United Airlines die Währungskurse falsch hinterlegt, was dazu führte das ein First Class Ticket nach Honululu bereits für nur etwa 30 Euro buchbar war.

Des weiteren passiert es manchmal, dass die Airline vergisst den Treibstoffzuschlag zu berechnen. Dieser kann insbesondere bei Transatlantikflügen oftmals einen Großteil des Tickets ausmachen. In diesem Fall spricht man von einem sogenannten Fuel Dump (engl. für Treibstoff ablassen). Das besondere dabei ist, dass es mit sehr viel Erfahrung und Übung möglich ist, diese Fehler absichtlich zu provozieren und sich somit gewissermaßen seinen eigenen Errorfare zu bauen. Eine Anleitung wie du deinen ersten eigenen „Dump“ finden kannst, findest du in meinem Beitrag zum 1×1 des Fuel Dumpings.

Error fare San Francisco
Kürzlich ging es für umgerechnet 146 Euro mit der isländischen WOW Air an die Westküste der USA.

Was ist ein OTA Glitch?

Wie bereits erwähnt muss der Grund für einen Error Fare jedoch nicht unbedingt bei der Fluggesellschaft liegen. Liegt er beim Reisebüro, spricht man von einem sogenannten OTA Glitch, wobei OTA schlicht die Abkürzung für Online Travel Agency (englisch für Online-Reisebüro) darstellt. Ein Beispiel für einen solchen Fehler des Reisebüros hat sich vor nicht allzu langer Zeit bei Edreams Ägypten ereignet. Dabei hatte man vergessen rechtzeitig auf die Entkopplung zwischen US-Dollar und Ägyptischen Pfund, sowie dessen damit verbundene Abwertung, zu reagieren. Die Folge war, dass alle Flüge mit etwa 40 Prozent Rabatt angeboten wurden.

Error Fare Kapstadt Business Class
Für 611 Euro in der Business Class nach Kapstadt? Hierbei handelt es sich sicher nicht um ein reguläres Angebot!

Was muss ich bei der Buchung beachten?

Error fares sind nicht nur selten, sondern auch ein zweischneidiges Schwert. Anders als bei einem regulär gebuchten Ticket kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Fluggesellschaft oder das Reisebüro das Ticket auch honoriert, und es nicht einfach wieder storniert. Daher sollte man bei der Buchung eines Error Fares ein paar Dinge beachten:

  • Zum einen sollte man nach der Buchung eines auffällig günstigen Tickets alle weiteren Pläne so weit wie möglich nach hinten verschieben, beziehungsweise bei Hotel- und Mietwagenbuchungen darauf achten, dass diese kostenfrei stornierbar sind. Ansonsten kann es passieren, dass ihr im Falle einer Stornierung seitens der Fluggesellschaft auf den Kosten sitzen bleibt.
  • Zum anderen darf unter keinen Umständen die Fluggesellschaft, das Hotel, oder das Reisebüro kontaktiert werden. Auch wenn ihr vielleicht unsicher seid, und die Verlockung groß ist, schadet ihr euch selbst, da ihr die Airline erst auf ihren Fehler aufmerksam macht, und diese am Ende die Tickets möglicherweise storniert.

Genaue Verhaltenstipps, und Hinweise habe ich für euch in einem extra Beitrag zum Thema zusammengefasst. Ich empfehle jedem von euch diesen zu lesen, und bei der nächsten Buchung eines möglichen Preisfehlers zu beachten.

Warum dürfen auch bestätigte Buchungen nachträglich storniert werden?

Zunächst einmal mag es vielleicht verwunderlich sein, dass die Airline auch bereits bestätigte Flugtickets einfach so stornieren darf. Dabei beruft man sich meist darauf, dass es sich bei einem Error Fare um einen offensichtlichen Fehler handelt, und auch ein Laie eigentlich erkennen sollte, dass es sich dabei unmöglich um ein absichtliches Angebot der Fluggesellschaft handeln kann. Wo setzt man hier jedoch die Grenze? Gut, das First Class Ticket für 30 Euro ist offensichtlich. Aber ab wann ist ein Preis denn ein offensichtlicher Fehler, wenn mittlerweile selbst Transatlantikflüge teilweise deutlich unter 300 Euro kosten?

Shanghai Deal
Error Fare oder nicht ? In diesem Fall handelt es sich vermutlich um ein reguläres Angebot!

Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Ich kann jedem von euch nur empfehlen das Suchen, Finden, und Nutzen von Error Fares als Spiel zu sehen. Manchmal gewinnt man und darf sich freuen, manchmal verliert man aber auch und die Airline hatte noch einmal Glück. Absolute Sicherheit gibt es ohnehin nie, und auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Stornierung mit der Zeit geringer wird, kann theoretisch bis zuletzt keine Garantie gegeben werden. Infolgedessen ist die Buchung eines Error Fares auch nicht für jeden Reisenden das Richtige. Jeder sollte sich überlegen, ob er mit dem Restrisiko leben kann. Hält man sich jedoch an die „Regeln“ und wartet mit der Buchung weiterer Reiseelemente, ist das Verlustrisiko vergleichsweise gering.

Mein Error Fare wurde storniert, welche Rechte habe ich?

Ein Rechtsstreit lohnt sich aufgrund der vergleichsweise geringen Beträge um die es geht meist nicht. Solltet ihr jedoch dennoch mit der Fluggesellschaft streiten wollen, empfehle ich euch einen erfahrenen Anwalt für Reiserecht zu konsultieren. Darüber hinaus kann es generell hilfreich sein Screenshots der Buchungsmaske anzufertigen, sowie jegliche Korrespondenz mit dem Vertragspartner aufzubewahren. So könnt ihr im Streitfall zum Beispiel die ausgeschriebene Buchungsklasse bestätigen.

 

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