Reiseempfehlung: Georgien

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Mestia
  • Zeitraum: Mai – September
    Dauer: 7 – 10 Tage
    Zu erwartende Kosten: ca. 900-1000 Euro pro Person
  • Typ: Individuelle Rundreise zu zweit mit dem Mietwagen

Tipp: Wer mehr Zeit hat, oder bereit ist auf einen Teil des Landes zu verzichten sollte auch Marschruktis (lokale Minibusse) in Betracht ziehen. Diese fahren überall hin, sind deutlich günstiger als der Mietwagen und authentisch. Zudem ist der Straßenverkehr in Georgien recht chaotisch, weshalb nur sichere Fahrer selbst fahren sollten.

Stops:
Budapest – Kutaisi – Mestia – Batumi – Borjomi – Wardsia – Tiflis – Kazbegi – Kutaisi

Routemap

Vergangenes Frühjahr hatte ich gerade erst mein Bachelorstudium abgeschlossen, war beruflich eingespannt, und wie immer auf der Suche nach der nächsten Reise. Meine Freundin sollte natürlich mitkommen, jedoch war Zeit auch bei ihr Mangelware und wir einigten uns auf 7 bis 10 Tage, was allzu weit entfernte Reiseziele für uns Ausschloss. Durch Zufall las ich dann in einem Reisemagazin über den nur 3-4 Stunden Flugzeit entfernten „Geheimtipp Georgien“.

Die Anreise

Gastfreundlich sollte das Land sein, aufstrebend, und geprägt von viel unberührter Natur, was mich als Wanderer und Fan rauer Landschaften natürlich besonders reizte. Aufgrund unserer recht spontanen Entscheidung nur wenige Wochen vorher, waren die meisten günstigen Flüge ab Wien leider schon weg und ich musste ein wenig improvisieren – am Ende wurde es dann Wizzair ab Budapest nach Kutaisi für etwa 230 Euro mit Gepäck hin und zurück. Unschlagbar verglichen mit den horrenden Preisen, welche von Austrian Airlines, und selbst Georgian Airways zu diesem Zeitpunkt angeboten wurden – jeweils etwa 600-700 Euro.

Da das Langzeitparken am Budapester Flughafen angenehm unkompliziert und günstig ist sind wir mir dem Auto aus Wien angereist, und haben spontan noch einen Tag in Budapest verbracht. Spät abends ging es dann zum Flughafen und um etwa Mitternacht starteten wir in Richtung Kutaisi, wo wir auch direkt unseren Mietwagen bei Europcar in Empfang genommen haben. Ein Geländewagen ist übrigens unbedingt empfehlenswert!

Der Westen

Gelati
Das Kloster Gelati

Kutaisi ist die zweitgrößte Stadt Georgiens, und verfügt über einen hübschen Stadtkern mit ein paar netten lokalen Restaurants. Ansonsten hat die Stadt selber jedoch nicht übermäßig viel zu bieten, und die meisten Sehenswürdigkeiten die für uns interessant waren befanden sich etwas außerhalb der Stadt. Da wäre zum einen das nahe gelegene gregorianische Kloster Gelati, und die etwas weiter entfernten Prometheus caves, welche jedoch leider unter einem zu großen Besucheransturm leiden.

Am nächsten Tag ging es dann für uns nach Mestia, und wir bekamen einen ersten Eindruck davon was es heißt in Georgien Auto zu fahren. Sind die Straßen zu Beginn in einem guten Zustand, wird es je tiefer wir in den Kaukasus vorstoßen immer holpriger und man beginnt zu verstehen, warum die Mietwagenfirma sich weigerte Reifen und Glas zu versichern – die atemberaubende Landschaft ist jedoch das „Risiko“ wert.

Mestia selbst ist dann ein recht geschäftiger und an Touristen gewöhnter Ort, der insbesondere Wanderbegeisterten viele Möglichkeiten bietet. Wer Zeit hat sollte die Wanderung von Mestia nach Ushguli unternehmen, wer in Eile ist kann jedoch auch einfach einen Geländewagen mit Fahrer mieten. Selber fahren ist zwar theoretisch möglich, jedoch ohne entsprechende Erfahrung absolut nicht empfehlenswert. Wer den Abend in Mestia verbringt kann sehr gut bei Georgischer Livemusik, und in angenehmer Atmosphäre im Cafe Laila essen.

Nach Mestia fuhren wir wieder Richtung Süden, wieder holperpiste, wieder tolles Panorama, und dann weiter über Poti in das Las Vegas des Schwarzen Meeres, Batumi. Obwohl eigentlich kleiner als Kutaisi, wirkt Batumi deutlich großstädtischer und erinnert mit seinen vielen Casinos, Hotels, und ausländischen Touristen tatsächlich entfernt an das Zockerparadies in den USA. Wer feiern möchte ist hier sicher richtig aufgehoben, uns war es jedoch ein wenig zu viel Trubel, sodass wir uns auf ein paar gemütliche Bummel an der wirklich großen Strandpromenade (an der gerade ein Festival stattfand) beschränkten. Zum Abendessen hat es uns dann das Restaurant Heart of Batumi angetan – sehr empfehlenswert.

Der Osten

Da unser Fahrzeug die Strecke über Chulo leider nicht geschafft hat, mussten wir letztendlich wieder an Kutaisi vorbei fahren um nach Borjomi zu gelangen. Der Ort ist ein bekannter Kurort und Quelle des gleichnamigen im osteuropäischen Raum sehr bekannten Heilwassers. Außerdem liegt Borjomi am Eingang des ersten georgischen Nationalparks, welcher auch mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland entstanden ist. Die Gegend erinnert an eine mitteleuropäische Voralpenregion, ist jedoch nur sehr dünn besiedelt und eignet sich gut für eine ausgedehnte Wanderung. Dank diverser Schutzhütten unterwegs sind auch mehrtägige Wanderungen kein Problem und durchaus empfehlenswert. Wir übernachteten bei Leo’s Homestay, einer sehr netten Familie, die einem wirklich das Gefühl gibt willkommen zu sein. Leo, der Sohn der Familie, bietet zudem die Vermittlung geführter Pferdetouren durch den Nationalpark an, was sich bei vielen Touristen großer Beliebheit erfreut.

Der nächste Zwischenstopp unserer Reise war Rabati, die restaurierte Festungsanlage in Achalziche, die sowohl eine Kirche, als auch eine große Moschee und Synagoge im Inneren seiner Mauern bereit hält. Das angeschlossene und gut sortierte Museum über die Geschichte Georgiens ist dazu ebenfalls sehenswert, und manch einer kann hier trotz der recht geringen Größe wahrscheinlich Stunden verbringen. Wir hatten nicht so viel Zeit, wollten wir doch noch vor Einbruch der Dunkelheit unsere Unterkunft in der Nähe des Höhlenklosters Wardsia erreichen.

Wardsia
Das Höhlenkloster Wardsia

Das Kloster wurde im 12. Jahrhundert vollkommen unterirdisch erbaut und bot einst bis zu 50.000 Menschen platz. Ein Erdbeben etwa hundert Jahre später zerstörte jedoch weite Teile des Klosters und legte die Eingänge zu den heute vollständig sichtbaren Höhlen frei. Es ist seit Anfang der 1990er Jahre UNESCO-Weltkulturerbe, und ist auf jeden Fall ein Highlight Georgiens. Wer hier hinauf möchte, sollte allerdings gut zu Fuß sein, und nach Möglichkeit keine Probleme mit großer Höhe oder Enge haben – beides nicht gerade meine Stärke. Unbedingt sollte man jedoch ungeachtet der oft hohen Temperaturen langärmelige Kleidung und festes Schuhwerk tragen, da das Kloster heute noch von einigen Mönchen bewohnt wird.

Tipp: Auf dem Weg nach Wardsia befindet sich ein weiteres, kleineres Höhlenkloster, das zwar bewohnt, aber ebenfalls besichtigt werden darf. Hier darf man mit weniger Touristen rechnen, jedoch ist schon die Fahrt hinauf über eine lange steile Straße ein echtes Abenteuer, und ein wahrer Stresstest für das Fahrzeug. Außerdem ist das Kloster nur für schwindelfreie und sichere Kletterer geeignet, da es schnell sehr hoch hinauf geht.

Nach der Besichtigung geht es weiter nach Tiflis, die Hauptstadt Georgiens, wo wir spontan ein günstiges Zimmer direkt oberhalb der weltbekannten Schwefelbäder reservieren konnten. Wer etwas Zeit hat sollte unbedingt einen Besuch in diesen Bädern wagen. Ansonsten ist klassische Hauptstadt mit vielen Geschäften, Restaurants, Parks und einigen Sehenswürdigkeiten, die einen interessanten Mix aus Tradition und hochmoderner  Architektur bieten. Wir wollten jedoch schnell weiter, zurück in den Kaukasus nach Stepanzminda an den Fuß des 5000 Meter hohen Kasbek.Kasbek

Der kleine Ort ist auf vielfältige Weise ein echter Hotspot. Zum einen sind da natürlich die klassischen Touristen, die vor allem wegen der bekannten Gergeti Kirche gekommen sind. Zum anderen finden sich aber auch einige Bergsteiger, die sich hier auf die Besteigung des dritthöchsten Berges Georgiens vorbereiten, und zu guter Letzt ist der einzige direkte Grenzübergang zu Russland nur wenige Kilometer entfernt, weshalb dauerhaft eine kilometerlange LKW-Kolonne auf der Straße nach Stepanzminda steht und darauf wartet, dass die Grenze öffnet.

Wir haben uns dafür entschieden mit einem lokalen Geländewagen hinauf zum Kloster zu fahren, da wir erst am nächsten Tag eine längere Wanderung in der Umgebung unternehmen wollten. Hier sollte unbedingt gehandelt werden, da sich die Preise in den letzten Jahren wohl regelmäßig vervielfacht haben. Nach unserer Wanderung am nächsten Tag ging es dann zurück nach Kutaisi, von wo früh am nächsten Tag dann unser Flug zurück nach Budapest ging.

Hotels in Georgien:

Booking.com ist in Georgien stark vertreten und selbst die kleineren Homestays sind hier gut vertreten.



Booking.com

Restaurants:

Unsere Lieblingsrestaurants auf der Reise waren:

  • Das Restaurant Palaty in Kutaisi, welches ein wenig an ein Wohnzimmer erinnert und wirklich gute Lokale Küche bietet.

  • Das Cafe Laila in Mestia, welches generell viele Touristen anzieht, dadurch aber nicht an Charme verliert.

  • Das Heart of Batumi in Batumi, welches solide und mittelpreisige Küche in der sonst so von Glitzer geprägten Stadt bietet.

Mietwagen:

Wir hatten die Wahl zwischen einem sehr günstigen lokalen Anbieter, und dem günstigsten internationalen Anbieter in Kutaisi Europcar, bei dem wir uns am Ende gut aufgehoben fühlten. Jedoch würde ich den lokalen Anbieter in Zukunft durchaus wieder in Betracht ziehen.

Flüge:

Wizzair fliegt regelmäßig ab Dortmund, Memmingen, und für die Österreicher ab Budapest nach Kutaisi. Gepäck ist hier nicht Standardmäßig inkludiert und muss hinzugebucht werden.
Ansonsten fliegen auch Lufthansa ab München, und Austrian Airlines ab Wien. Wer eine  etwas exotischere Beförderung sucht kann ab Wien auch mit Georgian Airways fliegen.

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