Darf ich einen Teil meiner Reise verfallen lassen?

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Travel Hacking

Denken wir an folgendes Beispiel: Ich lebe in München und suche gerade nach möglichen zukünftigen Urlaubsdestinationen. Leider finde ich zu den für mich interessanten Zielen keine guten Angebote. Nun schaue ich auf Travel-Radar.de und sehe, dass es aktuell einen Error Fare gibt und ich zum Beispiel für deutlich unter 200 Euro ab Luxemburg nach Sansibar fliegen kann – da wollte ich ohnehin schon immer mal hin! Zudem hat der Flug sowohl auf dem Hinflug, als auch auf dem Rückflug einen längeren Zwischenstopp in München, da kann ich ja dann einfach später einsteigen und früher aussteigen, oder?

Eine Frage die immer wieder aufkommt, weshalb ich in diesem Beitrag ein wenig genauer auf die jeweiligen Begebenheiten eingehen möchte. Leider gibt es hier zumindest bezüglich des Hinfluges eine ziemlich deutliche Antwort: Nein, auf keinen Fall!

Die Fluggesellschaft besteht auf vollständige Nutzung

Der Grund liegt darin, dass nahezu alle Fluggesellschaften auf einer vollständigen Nutzung des Flugtickets bestehen. Diesbezüglich habe ich euch einen Auszug der Beförderungsbedingungen der Lufthansa herausgesucht:

Lufthansa Beförderungsbedingungen
Lufthansa Beförderungsbedingungen

Im Falle eines Abweichens von der vorgesehenen Reihenfolge, oder Auslassen eines Flugsegmentes, muss demnach also ein neuer Preis kalkuliert werden. Dass dieser selten günstiger, sondern eher teurer sein wird, versteht sich von selbst. Meistens wird in diesem Fall der Preis für einen direkten Abflug ab dem jeweiligen tatsächlichen Abflughafen angelegt. In unserem Beispiel wäre dies München.

Wer die Bezahlung dieser Zusatzkosten verweigert, der verliert generell den Anspruch auf Beförderung, und bleibt besten Fall zuhause. Hat man jedoch, zum Beispiel im Rahmen eines Fuel Dumps, ein mittleres Segment (einen second Strike) ausgelassen, bleibt man im schlimmsten Fall sogar am Zielort stehen, und kommt nicht mehr nach Hause. Ein ärgerlicher und teurer Spaß, weshalb man immer unbedingt alle Teilstrecken in der Richtigen Reihenfolge abfliegen sollte.

Warum das Ganze?

Nun werden sich einige zurecht Fragen, wo der Sinn einer solchen Regelung ist. Schließlich hat man ja für mehr Leistung bezahlt, und verzichtet sogar auf einen Teil der eigentlich zustehenden Beförderung. Wie kann das zu einem Problem werden?

Um dies zu verstehen, muss man sich ein wenig genauer mit dem Thema Airline Pricing auseinander setzen. Die Preisgestaltung eines Flugtickets ist so kompliziert, dass selbst ein Supercomputer hier nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gelangen würden. Ein Amerikanischer Forscher hat diesbezüglich vor wenigen Jahren einen Versuch unternommen das günstige Flugticket von Boston nach San Francisco mit Hilfe eines solchen Rechners zu finden. Am Schluss musste das Team aufgeben, da es alleine für eine Fluggesellschaft bereits 25 Millionen Varianten gab, und die Berechnung des tatsächlich günstigsten Preises mehrere Milliarden Jahre gedauert hätte.

Dies liegt daran, dass Fluggesellschaften für ihre Preisgestaltung auf eine Vielzahl Faktoren zugreifen und dabei insbesondere die Faktoren Zahlungsbereitschaft und Konkurrenzsituation eine gewichtige Rolle spielen. Darüber hinaus wird zudem mehr als in anderen Brachen versucht die komplette individuelle Zahlungsbereitschaft abzuschöpfen. So kostet ein One-Way Ticket beispielsweise häufig mehr als ein Return Ticket, da die Wahrscheinlichkeit dass ein Geschäftsreisender dahinter steckt deutlich höher liegt.

Gibt es doch eine Möglichkeit?

Nun haben wir bereits herausgefunden, dass es nicht Empfehlenswert ist einen Teil seines Hinfluges, oder ein mittleres Segment verfallen zu lassen, da sonst Nachzahlung oder Nichtbeförderung droht. Wie sieht es mit dem Rückflug aus? Kann ich hier einfach früher aussteigen?

Streng genommen ist auch dies laut der Regeln der Fluggesellschaft nicht erlaubt, und kann zu einer Nachzahlung führen, weswegen es immer riskant ist einen Teil seiner Reise verfallen zu lassen. Dennoch drückt die Airline in diesem Fall häufig ein Auge zu, da ihr ein richtiges Druckmittel – z.B. Verfall aller nachfolgenden Flugsegmente – fehlt. Außerdem könntet ihr beispielsweise gesundheitliche Probleme bekommen, und euch daher „unfit to fly“ fühlen.

Wichtig ist jedoch das ihr unbedingt nur mit Handgepäck reist, solltet ihr früher aussteigen wollen, da euer Gepäck ansonsten bis zum eigentlichen Zielort durchgecheckt wird. Alternativ besteht zwar theoretisch die Möglichkeit den Check-in Agent zu überreden, jedoch wird dies oft nur von wenig Erfolg gekrönt sein, und könnte im schlimmsten Fall eure Pläne verraten.

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2 KOMMENTARE

  1. short checkin geht ohne Probleme, wenn man den Weiterflug am Folgetag (=1 Nacht dazwischen, maximal 24h nach Ankunft) bucht – nicht immer erzielt man damit einen akzeptaben/vergleichbaren Preis im Vergleich zum durchgänigen buchen oder es geht gar nicht weil die Ankunft morgens um 5 Uhr ist

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